BGB

Was und wofür ist der § 1760 BGB? Aufhebung wegen fehlender Erklärungen

Der § 1760 des BGB ausführlich erklärt mit Beispielen.

(1) Das Annahmeverhältnis kann auf Antrag vom Familiengericht aufgehoben werden, wenn es ohne Antrag des Annehmenden, ohne die Einwilligung des Kindes oder ohne die erforderliche Einwilligung eines Elternteils begründet worden ist.
(2) Der Antrag oder eine Einwilligung ist nur dann unwirksam, wenn der Erklärende

a)
zur Zeit der Erklärung sich im Zustand der Bewusstlosigkeit oder vorübergehenden Störung der Geistestätigkeit befand, wenn der Antragsteller geschäftsunfähig war oder das geschäftsunfähige oder noch nicht 14 Jahre alte Kind die Einwilligung selbst erteilt hat,
b)
nicht gewusst hat, dass es sich um eine Annahme als Kind handelt, oder wenn er dies zwar gewusst hat, aber einen Annahmeantrag nicht hat stellen oder eine Einwilligung zur Annahme nicht hat abgeben wollen oder wenn sich der Annehmende in der Person des anzunehmenden Kindes oder wenn sich das anzunehmende Kind in der Person des Annehmenden geirrt hat,
c)
durch arglistige Täuschung über wesentliche Umstände zur Erklärung bestimmt worden ist,
d)
widerrechtlich durch Drohung zur Erklärung bestimmt worden ist,
e)
die Einwilligung vor Ablauf der in § 1747 Abs. 2 Satz 1 bestimmten Frist erteilt hat.
(3) Die Aufhebung ist ausgeschlossen, wenn der Erklärende nach Wegfall der Geschäftsunfähigkeit, der Bewusstlosigkeit, der Störung der Geistestätigkeit, der durch die Drohung bestimmten Zwangslage, nach der Entdeckung des Irrtums oder nach Ablauf der in § 1747 Abs. 2 Satz 1 bestimmten Frist den Antrag oder die Einwilligung nachgeholt oder sonst zu erkennen gegeben hat, dass das Annahmeverhältnis aufrechterhalten werden soll. Die Vorschriften des § 1746 Abs. 1 Satz 2, 3 und des § 1750 Abs. 3 Satz 1, 2 sind entsprechend anzuwenden.
(4) Die Aufhebung wegen arglistiger Täuschung über wesentliche Umstände ist ferner ausgeschlossen, wenn über Vermögensverhältnisse des Annehmenden oder des Kindes getäuscht worden ist oder wenn die Täuschung ohne Wissen eines Antrags- oder Einwilligungsberechtigten von jemand verübt worden ist, der weder antrags- noch einwilligungsberechtigt noch zur Vermittlung der Annahme befugt war.
(5) Ist beim Ausspruch der Annahme zu Unrecht angenommen worden, dass ein Elternteil zur Abgabe der Erklärung dauernd außerstande oder sein Aufenthalt dauernd unbekannt sei, so ist die Aufhebung ausgeschlossen, wenn der Elternteil die Einwilligung nachgeholt oder sonst zu erkennen gegeben hat, dass das Annahmeverhältnis aufrechterhalten werden soll. Die Vorschrift des § 1750 Abs. 3 Satz 1, 2 ist entsprechend anzuwenden.

Das deutsche Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) regelt zahlreiche Aspekte des Lebens, darunter auch die Adoption von Kindern. Ein besonders interessanter Paragraf in diesem Zusammenhang ist der § 1760, der sich mit der Aufhebung von Annahmeverhältnissen beschäftigt. Dieses Gesetz hat sowohl für laienhafte als auch für rechtlich versierte Personen eine bedeutende Rolle, wenn es um die rechtlichen Rahmenbedingungen einer Adoption geht.

Im Kern besagt § 1760, dass ein Annahmeverhältnis – also die rechtliche Beziehung zwischen einem adoptierenden Elternteil und einem Kind – aufgehoben werden kann, wenn bestimmte Bedingungen nicht erfüllt sind. Dies kann auf Antrag beim Familiengericht geschehen. Ein solcher Antrag kann gestellt werden, wenn die Adoption ohne den Antrag des Annehmenden, ohne die Zustimmung des Kindes oder ohne die nötige Zustimmung eines Elternteils durchgeführt wurde.

Wann ist eine Aufhebung möglich?

Der Gesetzestext nennt mehrere Gründe, die zur Unwirksamkeit der Erklärung führen können. Dazu zählen etwa Zustände wie Bewusstlosigkeit oder temporäre geistige Störungen, beim Annehmenden oder dem Kind, die eine informierte Entscheidung unmöglich machen. Es muss auch bedacht werden, dass sowohl der Annehmende als auch das Kind geschäftsfähig sein müssen, um die erforderlichen Erklärungen abzugeben.

Ein weiterer Aspekt ist, wenn der Erklärende nicht wusste, dass es sich um eine Adoption handelte oder durch arglistige Täuschung in die Entscheidung hineingezogen wurde. Auch Druck oder Drohung spielen hier eine Rolle. In diesen Fällen kann der Antrag auf Aufhebung des Annahmeverhältnisses vom Familiengericht geprüft werden.

Beispiel-Szenarien

Stellen Sie sich vor, Anna, 12 Jahre alt, wurde von ihren Großeltern adoptiert, ohne dass ihre leiblichen Eltern informiert wurden. Später stellt sich heraus, dass ihre Mutter, die damals an Depressionen litt, nicht in der Lage war, der Adoption zuzustimmen. Hier könnte die Mutter beim Familiengericht einen Antrag auf Aufhebung der Adoption stellen, weil die erforderliche Einwilligung fehlerhaft war.

Ein weiteres Beispiel könnte Peter betreffen, einen 28-jährigen Mann, der während eines psychischen Schubs der Meinung war, sein Kind adoptiert zu haben, ohne sich der Gravität dieser Entscheidung bewusst zu sein. Sollte er nach der Besserung seines Zustands die Adoption anfechten, könnte er argumentieren, dass seine Erklärung aufgrund seiner damaligen psychischen Verfassung nicht gültig ist.

Für Anwälte hat § 1760 eine besondere Bedeutung, da er beim Umgang mit Adoptionsverfahren umfassend verstanden werden muss. Bei der Beratung von Klienten ist es entscheidend, all diese Bedingungen zu berücksichtigen und sicherzustellen, dass alle rechtlichen Vorgaben beachtet wurden. Durch die genaue Kenntnis dieses Gesetzes können Fehler vermieden und die Rechte aller Beteiligten gewahrt werden.

Insgesamt verdeutlicht § 1760 des BGB, wie wichtig es ist, dass alle Beteiligten in einem Adoptionsprozess informiert, einwilligungsfähig und nicht unter Zwang stehen. Dies schützt nicht nur die Rechte des Kindes, sondern auch die der leiblichen und der adoptierenden Eltern. Der rechtliche Rahmen bietet dadurch ein sicheres Fundament für eine verantwortungsvolle Familienbildung.

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Referenz
www.gesetze-im-internet.de